Laudatio zu Holzdrucke, Radierungen und überdruckte Framedigi-Prints

 

von Peter Hoffmann Ausstellung vom 20. August bis 27. September 2011

 

Peter Hoffmann, geboren 1934 in Jena – also ein geborener Thüringer, diesem Menschenschlag sagt man Holzköpfigkeit – also Stur- bzw. Starrheit – nach, zeigt uns in dieser seiner aktuellen Ausstellung Altbewährtes: Holzschnitt-Drucke – diese Technik gibt es seit über 1300 Jahren (Korea, 751 n.Ch.) – und Radierungen mit schönem Duktus – seit ca. 500 Jahren als Reproduktions- und künstlerische Technik im Gebrauch.

Nun, Peter Hoffmann arbeitet in diesen Techniken nicht seit 1300 Jahren – die ältesten hier gezeigten Arbeiten sind „Spiegelung“ und „Sommerhütte“ – beide aus dem Jahre 1983 und Monotypien, also Einmaldrucke vom bemalten oder bezeichneten Farbträger ohne eine permanent vorhandene Druckform herzustellen und somit Unikate. Diese Technik gibt es erst seit jüngerer Zeit, sie hat im Ausdruck sehr viel Frische. Diese Direkt- und Purheit im Erscheinungs-Anmutungsbild haben ebenso seine zurückhaltend-farbigen Walzendrucke – hier aus dem Jahre 2011 – also ganz frisch – und die Holz-Collagedrucke (ausgeschnittene flache Holzformen auf Fläche angeordnet) von 2003 und 2009. In ihnen ist die Hoffmann´sche Farb- und Gestaltungs-Freude – auch und gerade unter Einbeziehung „unüblicher“ Druckbildträger – hier Filzpappe – ganz deutlich zu sehen. Diese Arbeiten zeugen nicht von thüringischer Starrheit – im Gegenteil: sie zeigen eine Beweglichkeit und immerfortwährende Suche Peter Hoffmanns nach dem ihm passenden Ausdruck. Er spannt den Bogen von der Figuration bis hin zu einer reduzierten, assoziativen Bildsprache.

Die Kunst und das Experiment in ihr hat immer das Leben Peter Hoffmanns begleitet. Seit dem Alter von 14 Jahren aquarelliert und zeichnet er. Studiert hat er auf physikalisch-technischem Gebiet. Neben dem Beruf, der ihm auch ab 1992 in der Entwicklungshilfe Berufung war, bildete er sich in Malerei und Drucktechniken in Kursen weiter, war Gründungsmitglied und dann auch Vorsitzender des Vereins Berliner Grafikfreunde. Von Ausstellungen kennen einige von ihnen bereits Hoffmanns Holzschnitte, Radierungen, Aquarelle, Collagen, Ölbilder, Plastiken und Videoexperimente. Beobachtungen der Natur sind die Grundlage seiner Arbeiten. Viele Grafiken und Bilder entstehen meist vor Ort: Stimmungen und Erscheinungen werden spontan bildnerisch umgesetzt. Das verleiht ihnen Unmittelbarkeit, und die Emotionalität erhält beim Auswischen der Platte im Stehenlassen von Druckfarbe manchmal ihren letzten Schliff. Die grafische Wirkung wird verstärkt durch die Reduzierung auf´s Schwarz-Weiß. Über Plattentonwerte schwingt das Malerische mit.

Und nun zu seinen neuesten Arbeiten und damit zurück zur Farbigkeit. Die Experimentierfreude führte ihn bei seinen Videoexperimenten – einige Ergebnisse – Kurzfilme von ca. 10 Minuten Länge, welche er mit Klängen synchronisiert hat, sind am Freitag den 23. September, 20 Uhr, unter dem Titel „Bewegte Bildklänge“ hier im Druckgraphik-Atelier zu sehen – von z.B. dem Verlöschen einer Kerze oder dem Tanz am Ufer zur Abstraktion und Wandlung, Doppelung und Überlagerung der Bewegungsvorgänge. Die Formen hat er verfremdet und experimentell Farbwandlungen am Rechner erzeugt. Aus diesen Bildrhythmen-Filmen hat Peter Hoffmann einzelne Frames für den digitalen Ausdruck selektiert. Mit ausgewählten, für die Bild-Stimmung-Geeigneten dieser “ Frame-Digitalausdrucke“ hat er durch Überdrucken mit Holzschnitten oder Radierungen eine neue Art von atmosphärischer Graphik geschaffen. Vergleichbares habe ich noch nicht gesehen.

 

Ausgelegt, damit gezeigt und erwerbbar sind heute und am Freitag, dem 23. September zu den Kurzfilmen/ Videoexperimenten „Bewegte Bildklänge“ Peter Hoffmanns, auch seine Mitarbeit an Büchern mittels Illustrationen zum Text, teils auch „selbständigen“ Arbeiten und Bucheinband-Gestaltungen.

Die Autorinnen , welche auch mit Lesungen aktiv sind, sind:

Dr. phil. Monika Melchert, Germanistin, Literaturkritikerin und Referentin, Autorin u.a. der Reihe spurensuche • vergessene Autorinnen wiederentdeckt, Leseverführer Anna Segher; Christa Wolf, und hier mit dem Buch zu Max Frisch; sowie

Dr. Renate Hoffmann, Tierärztin sowie Schauspielerin und Autorin von Reiseberichten, Porträts, Rezensionen und Glossen für verschiedene Medien, Verfasserin von Szenarien für das Fernsehen und hier mit mehreren Buch-Veröffentlichungen unter Mitarbeit von Peter Hoffmann.

 

Ich wünsche Peter weiterhin viel Schaffenskraft, Experimentierlust und Freude an der künstlerischen Arbeit.

Eberhard Hartwig, 20.08.2011